Quo vadis Kirche?
Die Zahl der Christen in Deutschland schrumpft. Folgen davon sind Pfarreizusammenlegungen, Gemeindeauflösungen und Schließung von Kirchen. In Deutzen will sich die katholische Pfarrei von ihrem Gotteshaus trennen. Dass es unter den hiesigen Gebetsorten der einzige sakrale Kirchenbau ist, spielt dabei für den Pfarrer keine Rolle.
Die Kirche St. Konrad in Deutzen steht vor einer ungewissen Zukunft. Die katholische Pfarrei Borna will sie loswerden.
Deutzen (24.01.2018). Den Artikel >> Zu viele Immobilien: Pfarrei Borna will Kirche in Deutzen los werden weiterlesen.
Mit freundlicher Genehmigung der Leipziger Volkszeitung, www.lvz.de/borna
Foto: Jens Paul Taubert
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Deutzener Gotteshaus soll Ökokirche werden
Podiumsdiskussion am Pfingstmontag zum Thema Umwelt zwischen Politik, Naturschutz und Energie
Für Dietrich Oettler (links) und Nikolaus Legutke gehören Kirche und Umwelt eng zusammen.
Deutzen (09.05.2018). Den Artikel >> Deutzener Gotteshaus soll zur Ökokirche werden weiterlesen.
Mit freundlicher Genehmigung der Leipziger Volkszeitung, www.lvz.de/borna
Foto: Julia Tonne
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Vision: Ökokirche Deutzen?
Zu einem Umweltzentrum möchte ein ökumenischer Initiativkreis die Deutzener St.-Konrad-Kirche machen. Am Pfingstmontag lädt er zu einem Umwelttag mit Gottesdienst, Podiums-Diskussion und Familien-Programm ein.
Auch wegen des zugehörigen Gartens kommt die Kirche in Deutzen als Ökokirche in Betracht.
Deutzen (20.05.2018). Extreme Wetterphänomene häufen sich ebenso wie die Nachrichten über Lebensmittelskandale und das Aussterben vertrauter Tierarten. Je näher uns die Auswirkungen unseres nachlässigen Umgangs mit der Umwelt rücken, umso mehr wächst die Bereitschaft und das Bedürfnis, über den eigenen Zwiespalt nachzudenken: Bei vielen alltäglichen Lebensentscheidungen fühlen sich Zeitgenossen hin- und hergerissen zwischen ihrer Sehnsucht nach erfülltem Leben und ihrer zur Selbstbeschränkung herausfordernden Verantwortung für den Erhalt der Schöpfung.
„Auch in der Kirche erinnern wir uns wieder mehr an unseren Auftrag der Sorge um die Schöpfung“, sagt der Bornaer Pfarrer Dietrich Oettler. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe evangelischer und katholischer Christen denkt er gerade über die Gründung eines Umweltzentrums nach, das zum Gespräch über nachhaltige Lebensstile anregt – keinesfalls nur unter Christen, sondern mit allen interessierten Bürgern und gesellschaftlichen Gruppierungen.
Christen wollen Netzwerke knüpfen
Standort eines solchen Zentrums könnte die Deutzener St.-Konrad-Kirche sein, derzeit eine Gottesdienststation der Bornaer Pfarrei St. Joseph. Schon seit Längerem denken die Katholiken der Pfarrei über die künftige Nutzung des Gotteshauses nach, das größer ist als die Pfarrkirche in Borna, in der die rückläufige Zahl der Gläubigen aber auch besonders deutlich ins Auge fällt.
Wegen ihrer ungewöhnlichen Geschichte – Mitte der 1950er Jahre von bayrischen Gastarbeitern mit Steinen der zerstörten Leipziger Propsteikirche auf ehemaligem Tagebaugelände erbaut – liegt diese Kirche der Pfarrei besonders am Herzen. Eine Reihe von Nutzungsalternativen wurden im Laufe der vergangenen Jahre für sie in Betracht gezogen, mittlerweile aber alle als nicht umsetzbar wieder verworfen: Die St.-Konrad-Kirche soll weder Tourismuskirche noch Jugendkirche werden, weder Fernsehkirche noch Kolumbarium. Ob sie tatsächlich Ökokirche werden kann, wird nicht allein von der kleinen Gruppe der Initiatoren abhängen. „Wir hoffen auf viele Menschen der Region – Christen wie Nichtchristen –, die sich das Anliegen zu eigen machen und ihre Projektideen und Tatkraft einbringen“, sagt der ehemalige Katholikenratsvorsitzende Nikolaus Legutke. Der Markkleeberger war bereits in den 80er Jahren an christlichen Umwelt-Aktivitäten beteiligt, nahm unter anderem an den sogenannten Öko-Spaziergängen teil, mit denen – etwa entlang der verschmutzten Pleiße – öffentliche Aufmerksamkeit für die Umweltfrevel der DDR geschaffen wurde.
Sowohl mit damaligen Akteuren als auch mit Gruppen und Einrichtungen, die sich heute in der Region für Umweltanliegen einsetzen, hat der Initiativkreis der Ökokirche Deutzen in den vergangenen Monaten bereits Kontakt aufgenommen, mit der Ökologischen Station Borna-Birkenhain etwa oder mit dem soziokulturellen Zentrum Kulturpark Deutzen. „Sie sehen unsere Initiative nicht als Konkurrenz, sondern als wertvolle Ergänzung“, sagt Pfarrer Oettler. Von der Zusammenarbeit könnten alle Mitwirkenden profitieren, meint er. Auch Bischof Heinrich Timmerevers begrüße die Initiative. Wichtig sei auch ihm, dass die Christen sich dabei mit ihren Mitbürgern und anderen gesellschaftlichen Gruppierungen vernetzen.
Geplant ist, möglichst bald eine Studie in Auftrag zu geben, die das Projekt auf seine Zukunftsaussichten hin prüft. Wenn das Ergebnis positiv ausfällt, könnte es zur Gründung eines Vereins kommen, der künftige Umweltprojekte trägt, aber auch die St.-Konrad-Kirche in Besitz nimmt. Dass die Kirche auch unter neuer Trägerschaft weiter für Gottesdienste, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen verfügbar sein muss, steht dabei für die Initiativkreis-Mitglieder außer Frage.
Text: Dorothee Wanzek
Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung Tag des Herrn, https://aussicht.online/tag-des-herrn
Foto: Dorothee Wanzek
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Weitere Kurzgeschichte(n) aus dem Leben der Gemeinde Borna/ Frohburg befinden sich in der Chronik.